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Warum Schule nicht funktioniert

„Trotz Schule lernen“ heißt ein bekanntes Buch von Vera F. Birkenbihl. Die bekannte Autorin brachte es schon vor einigen Jahren auf den Punkt, warum  die Institution Schule so wie sie ist und wohl noch einige Zeit sein wird nicht funktioniert. Allen Reformbemühungen zum Trotz ist die Schule von ihrem Wesen her im Behavorismus verhaftet. Ursprünglich geht der Behavorismus auf die Forschungen von B. F. Skinner zurück und auf das Reiz-Reaktions-Lernen. Für die Schule heißt das: Lernst du gut, bekommst du eine gute Note; lernst du schlecht bekommst du eine schlechte Note. Das wirkt bei Schülern, die von Anfang an gute Noten schreiben motivierend, Schüler, die etwas länger brauchen werden dadurch demotiviert und allzuschlecht als „dumm“ abgestempelt. Obwohl Skinner der bekannteste Vertreter des Behavorismus war gibt es auch noch andere – weniger bekannte, aber für das Lernen an Schulen nicht weniger bedeutsam: Robert Gagné hat Lehrzieltaxonomien eingeführt. Jeder Lehramtsstudent muss in seinen Unterrichtsausarbeitungen bestimmte Lernziele vorgeben und muss sich dabei nach den Vorgaben von Gagné oder auch Bloom richten. Das Meiste, was den angehenden Lehrerin in den Seminaren beigebracht wird fußt letztendlich auf dem Behavorismus mit gelegentlichen kleinen Ausflügen in den Kognitivismus oder vielleicht sogar in den Konstruktivismus. Ich will auch gar nicht in Frage stellen, dass die meisten Junglehrer sehr motiviert sind und gerne Projekte und Wochenplanarbeit in ihren Unterrichtsalltag mit aufnehmen würden. Leider bleibt es bei einer Klassenstärke von um die 30 Schülern und zunehmenden Disziplinproblemen oft bei dem Vorsatz. Ich will den Lehrern hier gar keinen Vorwurf machen. Ich bin selber Lehrer und habe an einer Hauptschule unterrichtet und bei einem lehrerzentrierten Unterricht besteht immer die Gefahr, dass dieser ins Chaos abgleitet.

Lernen ist aber in individueller Prozess, der nur vom Schüler gesteuert und vom Lehrer begleitet werden soll (daher auch der Name des Blogs). Bei einer durchschnittlichen Klassengröße von 30 Schüler kann von einem individuellen Betreuen der Schüler keine Rede mehr sein, der Unterricht gleicht oftmals mehr einer Vorlesung an einer Uni. Nach meiner Erfahrung sind für eine ideale Lernbegleitung Kleingruppen von 4, höchstens 6 Schülern optimal.

Ein Grund, warum Schule nicht funktioniert liegt also im System begründet. Ein anderer Grund liegt aber auch beim Schüler und deren Eltern. Das Schüler beim Lernen selber aktiv werden müssen und dass das Lernen nicht in der Verantwortung des Lehrers liegt sondern in der des Schülers leuchtet oft nicht ein. So ist ein Umdenken nötig und es fällt vielen Schülern schwer sich aus diese passiven Rolle zu lösen.

Jeder, der Lernbegleitung ausübt muss sich darüber im Klaren sein, dass Schule in der jetzigen Form nicht funktioniert und es ist eine andere Form der Unterweisung nötig. Nur so kann Lernbegleitung das leisten, was es leisten muss nämlich die Defizite der Institution Schule auszugleichen.

Lernbegleitung und eLearning

Seit einiger Zeit frage ich mich, ob es möglich ist Lernbegleitung als eLearning durchzuführen.

Dieser Post ist nur eine erste Annäherung an das Thema und spiegelt in erster Linie ein paar Gedanken wider, die ich mir in den letzten Tagen zu diesem Thema gemacht habe.

Wenn man ein neues System einführt dann orientiert man sich als erstes an dem, was schon etabliert ist. Lernbegleitung findet momentan noch in erster Linie entweder in Gruppenunterricht oder in Einzelsitzungen statt. Es gibt Angebote, die dieses System in das Internet verlagern, indem Sitzungen in einem virtuellen Klassenzimmer oder über Skype angeboten werden. Noch näher an der Realität kann man arbeiten, wenn man eine solche Situation in eine virtuelle Welt verlagert, wie es zum Beispiel bei Second Life schon praktiziert wird. Was mich in meiner Arbeit als Lernbegleiter immer stört ist die Tatsache, dass ich als Lehrer immer Anwesend bin und die Schüler, noch bevor sie sich selber über ein Problem richtig Gedanken machen mich sofort um Unterstützung beten. Das ist beim Einzelunterricht noch ausgeprägter, denn ich werde pro Stunde bezahlt und habe – bewusst oder unbewusst – das Bedürfnis für mein Geld auch zu arbeiten und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich die Schüler bei der Lösung eines Problems zu stark dirigiere.

Einen Schritt weiter hin zur Selbstätigkeit des Schülers wäre es virtuelle Lernumgebungen einzurichten. Ich kann täglich ein bestimmtes Arbeitspensum für meine Schüler freischalten, ich kann kurze Arbeitsaufträge geben und die Schüler arbeiten nicht einmal in der Woche sondern täglich an ihrem Lernerfolg. Ich glaube, dass Micorlearning (siehe meinen vorherigen Beitrag) effektiver ist als größere Lerneinheiten. Lassen Sie uns einmal ein Szenario kurz durchdenken: Bei herkömmlichen Nachhilfeinstituten kommen die Schüler einmal in der Woche für 90 Minuten in den Gruppenunterricht (manchmal auch zweimal, wenn sie zwei Fächer belegt haben). Wenn ein Schüler sich stattdessen 5mal in der Woche 20 bis 30 Minuten mit dem Lernen auseinandersetzt ist das meiner Meinung nach effektiver, da die Konzentration in so kurzen Einheiten größer ist. Da sich diese Form der Lerndarbietung natürlich nur für Schüler eignet, die mit dem Internet und dem Computer vertraut sind (über kurz oder lang werden diese Schüler ohnehin die Mehrheit ausmachen), kann ich auch Arbeitsaufträge geben, die weiter führen: Selbsttändig im Internet recherchieren, die gefundenen Ergebnisse in einer Persönlichen Lernumgebung (PLE) zusammenzustellen, in einem Blog referieren, in einem Chat oder einem Forum mit anderen Schülern diskutieren.

Soweit kurz zu diesem Thema. Wie schon gesagt, es handelt sich nur um ein paar Gedanken, die mir gestern und heute so durch den Kopf gegangen sind. Ich werde darüber noch öfters schreiben, denn auch das eLearning ist ein wichtiges Thema hier in diesem Blog