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Archive for the ‘Instructional Design’ Category

Die persönliche Lernumgebung (PLE)

In letzter Zeit treibt mich die Idee der persönlichen Lernumgebung um und wie es möglich ist, dass sich jeder Schüler eine solche Umgebung einrichten kann. Für mich wird dieses Blog immer stärker zu einer persönlichen Lernumgebung, in das ich alles, was mir so unterkommt an Informationen, Dateine, Links etc. sammle.

Nun aber zurück zum Thema: Ich habe auf Slideshare einen Beitrag von Ilona Buchem (Berlin) zu diesem Thema gefunden.

Da mein Blog nicht in einfachen Beschreibungen von Sachverhalten stecken bleiben soll, müssen wir uns immer wieder die Frage stellen, inwieweit kann ich solche Konzepte in meiner täglichen Unterrichtspraxis als Lernbegleiter profitieren. Neue Entwicklungen werden immer zuerst an den Hochschulen eingesetzt, so ist die Verwendung von Moodle (oder einer anderen virtuellen Lernumgebung) schon längst Standart. Lehrer, deren Examen schon einige Jahre zurückliegt können damit weniger Anfangen. Doch ich denke nicht nur Lehrer sonderrn auch Schüler müssen umdenken: In den vergangenen Jahrhunderten (seit Comenius den Begriff Didaktik einführte) wird darüber nachgedacht, wie Wissensinhalte vermittelt werden können. Kaum bekannt ist, dass es auch noch eine „Mathetik“ gibt, eine wissenschaft vom Lernen. Erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dieser Begriff wiederentdeckt, ist aber trotzdem kaum bekannt. Jeder Schüler (gleich welchen Alters) muss zuerst einmal begreifen, dass er selber für seinen Lernerfolg verantwortlich ist und auch für das Organisieren des Lernens. Der Lernbegleiter ist „nur“ ein Coach, der ihm beratend und unterstützend zur Seite steht.

Wissenskonstruktion im Gruppenunterricht

Die Vorstellung, die ein Lehrerender (sei er nun an einer Schule, einem Nachhilfeinstitut, als Lernbegleiter oder Coach oder als Elternteil tätig) vom Prozess der Wissensaufnahme hat entscheidet darüber, wie der Unterricht bzw. die Unterweisung strukturiert ist.

Sie kennen sicherlich die Vorstellung vom „Nürnberger Trichter“. Hier ist Wissen Füllmaterial, das im Kopf des Lernenden abgelagert, verstaut wird. Nicht viel anders als der Bauer, der sein Korn in die Scheune fährt. Natürlich handelt es sich bei Wissen nicht um Stroh sondern um sehr vielfältige Dinge so gehen die meisten Menschen in ihren Vorstellungen einen Schritt weiter und stellen sich zumindest Schubläden oder irgendwelche Kompartimente vor, in denen das Wissen schön geordnet gelagert wird.

Da sich dieses (Vor)Wissen von Schüler zu Schüler unterscheidet trägt ein guter Unterricht dem Rechnung indem er Material zur Differenzierung bereit hält. Darunter versteht man ganz einfach, dass der Lehrer für unterschiedliches Vorwissen bzw. unterschiedliche Lernfähigkeiten unterschiedliches bzw. weiterführendes Material bereit hält.

Spätestens seit Jean Piaget spricht man allerdings von Wissenkonstruktion. Darunter versteht man, dass das neue Wissen in schon vorhandenes Wissen und Erfahrungen eingebaut wird. Ich stelle mir das wie den Bau eines Hauses vor. Das neue Wissen ist ein Stein, das an die richtige Stelle gesetzt wird und das Gebäude im Laufe des Lebens im schöner und prächtiger wird. Wenn man diese Vorstellung ernst nimmt, dann bedeutet das in letzter Konsequenz, das jeder Schüler, auch im Gruppenunterricht, eine individuelle Förderung benötigt, denn es gibt kein Wissenskonstrukt das dem Anderen gleicht.

Ich will das an einem einfachen Beispiel aus meiner eigenen Unterrichtspraxis verdeutlichen. Im Augenblick unterrichte ich eine kleine Gruppe von fünf Schülern, die sich auf die besondere Leistungsfeststellung am Ende der 9. Klasse vorbereiten, dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss. Mein Unterrichtsfach ist die Mathmatik. Vorgestern tauchte bei einem Schüler am Ende der Stunde das Problem auf, wie man die Höhe eines Trapezes bestimmen kann, diese ist nötig um die Fläche zu berechnen. Da meine Schüler für solche Fälle schon sehr viel Wissen konstruiert haben, war es für den Schüler zunächst kein Problem, eine Lösung vorzuschlagen: Der Satz des Pythagoras. Doch dieser bezieht sich auf ein Dreieck und ein Dreieck war auf den ersten Blick im Trapez nicht zu finden. Da die Stunde in diesem Augenblick endete, nahm ich mir vor, dieses Thema am nächsten Tag wieder aufzugreifen.

Als ich mich am Abend auf die nächste Stunde vorbereitete stieß ich auf folgende Aufgabe aus einer alten Abschlussprüfung:

 

Ich beschloss, diese Aufgabe meinen Schülern zu präsentieren. Meine erste Überlegung war, es in Form eines Frontalunterrichts zu machen und einen Schüler, der eine solche Aufgabe schon gelöst hatte an der Tafel vorrechnen zu lassen. Ich verwarf diesen Gedanken wieder, denn er erschien mir nicht effektiv genug. Grob konnte ich meine Gruppe ein drei Teile teilen: Einen Teil, der eine solche Aufgabe schon gelöst hatte. Also dieses Wissen schon konstruiert hatte, um in der Sprache der Pädagogik zu bleiben. Eine zweite Gruppe, die gerade dabei war, das Lösungsschema in ihr Wissenskonstrukt aufzunehmen und eine dritte Gruppe, die mit einer solche Aufgabe (zunächst noch) überfordert waren. Bei einem klassischen Frontalunterricht langweilt sich die erste Gruppe und es wäre besser, für diese Gruppe eine andere Aufgabe zu finden, die sinnvoller ist. Die zweite Gruppe würde sicherlich etwas lernen, doch auch hier sind die Unterschiede noch zu groß und ein individuelles eingehen auf jeden Schüler wäre sinnvoller und die dritte Gruppe ist bei einem klassischen Unterricht überfordert. Ich entschied mich also dazu, jeden Schüler individuell zu betreuen, was bei 5 Schülern auch nicht besonders schwer ist.

Meiner Meinung nach ist die Einteilung vieler Lehrer in intelligente und weniger intelligente Schüler längst obsolet. Vielmehr gibt es Schüler, die in ihrer Wissenskonstruktion noch nicht so weit sind und es schafft in der Tat kaum ein Schüler während eines normalen Unterrichts oder eines normalen Curriculums sein Wissen adäquat zu konstruieren, da ist eine gute Nacharbeit nötig, in der Grundschule ebenso wie im Hochschulstudium. Wer bereit ist, diese Nacharbeit zu leisten, der kann jedes schulische Ziel erreichen.