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Posts Tagged ‘Nachhilfe’

Lernbegleitung und eLearning

Seit einiger Zeit frage ich mich, ob es möglich ist Lernbegleitung als eLearning durchzuführen.

Dieser Post ist nur eine erste Annäherung an das Thema und spiegelt in erster Linie ein paar Gedanken wider, die ich mir in den letzten Tagen zu diesem Thema gemacht habe.

Wenn man ein neues System einführt dann orientiert man sich als erstes an dem, was schon etabliert ist. Lernbegleitung findet momentan noch in erster Linie entweder in Gruppenunterricht oder in Einzelsitzungen statt. Es gibt Angebote, die dieses System in das Internet verlagern, indem Sitzungen in einem virtuellen Klassenzimmer oder über Skype angeboten werden. Noch näher an der Realität kann man arbeiten, wenn man eine solche Situation in eine virtuelle Welt verlagert, wie es zum Beispiel bei Second Life schon praktiziert wird. Was mich in meiner Arbeit als Lernbegleiter immer stört ist die Tatsache, dass ich als Lehrer immer Anwesend bin und die Schüler, noch bevor sie sich selber über ein Problem richtig Gedanken machen mich sofort um Unterstützung beten. Das ist beim Einzelunterricht noch ausgeprägter, denn ich werde pro Stunde bezahlt und habe – bewusst oder unbewusst – das Bedürfnis für mein Geld auch zu arbeiten und ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich die Schüler bei der Lösung eines Problems zu stark dirigiere.

Einen Schritt weiter hin zur Selbstätigkeit des Schülers wäre es virtuelle Lernumgebungen einzurichten. Ich kann täglich ein bestimmtes Arbeitspensum für meine Schüler freischalten, ich kann kurze Arbeitsaufträge geben und die Schüler arbeiten nicht einmal in der Woche sondern täglich an ihrem Lernerfolg. Ich glaube, dass Micorlearning (siehe meinen vorherigen Beitrag) effektiver ist als größere Lerneinheiten. Lassen Sie uns einmal ein Szenario kurz durchdenken: Bei herkömmlichen Nachhilfeinstituten kommen die Schüler einmal in der Woche für 90 Minuten in den Gruppenunterricht (manchmal auch zweimal, wenn sie zwei Fächer belegt haben). Wenn ein Schüler sich stattdessen 5mal in der Woche 20 bis 30 Minuten mit dem Lernen auseinandersetzt ist das meiner Meinung nach effektiver, da die Konzentration in so kurzen Einheiten größer ist. Da sich diese Form der Lerndarbietung natürlich nur für Schüler eignet, die mit dem Internet und dem Computer vertraut sind (über kurz oder lang werden diese Schüler ohnehin die Mehrheit ausmachen), kann ich auch Arbeitsaufträge geben, die weiter führen: Selbsttändig im Internet recherchieren, die gefundenen Ergebnisse in einer Persönlichen Lernumgebung (PLE) zusammenzustellen, in einem Blog referieren, in einem Chat oder einem Forum mit anderen Schülern diskutieren.

Soweit kurz zu diesem Thema. Wie schon gesagt, es handelt sich nur um ein paar Gedanken, die mir gestern und heute so durch den Kopf gegangen sind. Ich werde darüber noch öfters schreiben, denn auch das eLearning ist ein wichtiges Thema hier in diesem Blog

Lernen als individueller Prozess

Juni 15, 2011 1 Kommentar

Stellen Sie sich vor Sie sind Sportlehrer und vor Ihnen steht eine Klasse von mehr oder weniger motivierten Jugendlichen. Ihre Schüler sollen einen Hundertmeterlauf absolvieren. Sie geben keine Zeitvorgabe, das Ziel ist es nur die vorgegebene Strecke zu laufen. Es wird wohl kaum einen Schüler geben, der diese Aufgabe nicht bewältigen kann. Dieses Szenario entspricht leider nicht der Realität. In Wirklichkeit nimmt jeder Lehrer eine Stoppuhr zur Hand und beginnt sofort in sein Notenbuch Eintragungen zu machen, je nachdem, welche Zeit die Schüler zurückgelegt haben.
Wenn wir jetzt dieses Beispiel auf andere Fächer (Mathematik, Deutsch, Chemie, Physik) übertragen, dann bedeutet das nichts anderes, als dass jeder Schüler einen bestimmten Stoff lernen kann und bestimmte Ziele erreichen kann, nur jeder Schüler zu unterschiedlicher Zeit und auch mit unterschiedlichen Methoden. So entsteht eine Diskrepanz zwischen dem Anspruch von institutionellen Einrichtungen (Schulen, Universitäten) die ein bestimmtes Pensum an Wissen in einer bestimmten Zeit einfordern auf der einen Seite und dem Wunsch des Indidividuums sich Wissen im eigenen Lerntempo und mit eigenen Methoden anzueignen auf der anderen Seite.
Sinnvolle Lernbegleitung muss dieses Problem aufzeigen und Lösungen anbieten. Die Lösung kann hier nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Der Schüler muss lerrnen sich vom allwissenden Lehrer zu lösen und zu seinem eigenen Lehrer zu werden. Der Lehrer muss sich von seinem Anspruch, alles (besser) zu wissen lösen und Unsicherheit zeigen, er muss den Schüler zum Dialog, zur Diskussion auffordern. Das erfordert Mut, denn viele Lehrer verschwinden lieber im Boden als zuzugeben, dass sie bei der Lösung eines Problems unsicher sind. Doch seien wir ehrlich: Welche Probleme sind schon sonnenklar? Und wenn Sie es sind, ist es dann ein Problem, das sich lohnt zu lösen?